3 - Bühne auf’s Papier. Die Praxis der Editionsphilologie/ClipID:48716 previous clip next clip

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Worum geht es in dieser Folge?

Geistliches Spiel schön und gut. Aber wie die Überlieferung eines solchen Spiels lesen bzw. anderen Leserinnen und Lesern zugänglich machen? Die Antwort darauf lautet: Durch die Editionsphilologie. Aber was ist das nun wieder? Diese Fragen sollen in dieser Folge beantwortet werden. Im Zuge dessen wird es auch darum gehen, was das Geistliche Spiel in Bezug auf seine Überlieferung auszeichnet.


Weiterführende Informationen

Minute 4:01ff.: Ein bildliches Beispiel für den "Nasalstrich"
Ein Beispiel aus dem Anfang des Alsfelder Passionsspiels finden Sie hier!
Nasalstrich z.B. in der fünften, rot unterstrichenen Zeile (erste Zeile, die linksbündig ausgerichtet ist und die größte Initiale auf der Seite hat): Nu horet alle und vorne(m)met mich - Nasalstrich über dem /e/ in vornemet (= zweites Wort von rechts), welcher als /m/ aufgelöst werden muss. Drei Zeilen darunter lautet das erste Wort wieder "vornemmet", wieder mit Nasalstrich.

Minute 7:50ff: Ergänzung zum "Armen Heinrich"
Der "Arme Heinrich" ist zwar in insgesamt sieben Schriftzeugen überliefert, allerdings überliefern ihn nur drei der Zeugen vollständig. Auf diese drei Überlieferungsträger beziehe ich mich im Podcast. Die übrigen Fragmente sind via Handschriftencensus oder mittels der digitalisierten Edition einzusehen.

Minute 9:05ff.: Ein Beispiel für die stellvertretende Benutzung von /u/ & /v/
Wieder ein Beispiel aus dem Anfang des Alsfelder Passionsspiels finden Sie hier!
Erneut findet sich in Zeile fünf ein Beispiel für ein sog. "vokalisiertes /v/", also ein /v/, das als /u/ gelesen werden muss. Und zwar bei dem Wort <und>: Nu horet alle vnd vornemmet mich => Nu horet alle und vornemmet mich

Minute 18:15ff.: Informationen zum Schwäbischen Weihnachtsspiel, welches über alternative Enden verfügt, finden Sie hier!


Cedric Dütsch

Recording date 2023-06-29

Bühne aufs Ohr. Eine Reise durch die geistlichen Spiele des Mittelalters

Mal angenommen wir interessierten uns – und diese Annahme ist jetzt nicht allzu weit hergeholt, immerhin hören Sie diesen Podcast – wir interessieren uns für das geistliche Spiel des Mittelalters und möchten gerne mal einen solchen Text lesen. Nun gibt es einige Probleme, vor die wir uns gestellt sehen, wenn wir diesen Entschluss gefasst haben.

Erst mal sind die Texte nicht so leicht zugänglich. Es handelt sich um alte Handschiffen, die zwar oft als Digitalisate verfügbar sind, aber zumeist in den Handschriftenabteilungen irgendwelcher Bibliotheken oder irgendwelchen Archiven liegen und der Zugang dazu bleibt einem zumeist verwehrt. Selbst wenn man dann den Zugang erlangen würde zu so einer Handschrift, man hätte also so eine Handschrift vor sich, sind die Texte dann nicht so einfach zu lesen, denn sowohl die Schrift als auch die niedergeschriebene Sprache sind ja, na ja alt, nicht wahr. Und das ist jetzt der Zeitpunkt, wo spätestens die Editionsphilologie zum Tragen kommt, als wirklich sehr bedeutende und grundlegende Unterdisziplin der Germanistik, aber eben vor allem der Altgermanistik. Und die Editionsphilologie hat zum Ziel, beziehungsweise Editionen, die aus unserer wissenschaftlichen Tätigkeit dann entspringen, also Textausgaben, die haben das Ziel, Texte zugänglicher zu machen.

Zunächst mal ist es notwendig, dass wir uns für eine Herangehensweise entscheiden, wie wir den Text denn zugänglich machen wollten. Also wir wollen eben den Text nicht mehr in der Handschrift stehen haben, sondern wir wollen eine Ausgabe erstellen, die dann der breiten Masse oder Wissenschaftlern zugänglich ist, oder zugänglich wird. Aus der Vergangenheit kennen wir dafür zwei Möglichkeiten: Die eine vertritt stellvertretend Friedrich Heinrich von der Hagen und die andere vertritt Karl Lachmann. Beide sind tätig Anfang des 19. Jahrhunderts, das ist auch so ziemlich der Anfang der Germanistik, die eben mit der Altgermanistik einsetzt, und Karl Lachmann speziell gilt zusammen mit den Brüdern Grimm als Mitbegründer der Germanistik und er ist auch, auch wenn seine Methode – auch die Friedrich Heinrich von der Hagen übrigens – auch wenn diese Methoden heute nicht mehr ganz so aktuell sind –  sie sind etwas aus der Mode geraten, warum werde ich gleich noch beleuchten – sind diese Methoden doch der Grundstein, auf dem Heutzutage alles fußt.

Friedrich Heinrich von der Hagen also, der hat eine ehrfürchtige Herangehensweise, er will den Text als original bewahren bzw. betrachten und möchte möglichst wenig am Text verändern. Er greift also möglichst wenig in die Handschriften ein und reproduziert möglichst genau den Wortlaut des Originals. Lässt allerdings trotzdem ein so genanntes Normierungsverfahren zur Anwendung kommen.

Normierung heißt, wir versuchen, eingriffe in den Text vorzunehmen, um ihn in erster Linie einfacher lesbar zu machen. Es gibt zum Beispiel verschiedene, im Mittelalter gängige Abkürzungen, die den Lesefluss behindern und die man deswegen auflösen sollte. Beispielsweise der Nasalstrich; also Nasale, das sind erstmal Buchstaben wie N wie Nordpol oder M wie Martha und Nasalstriche sind dann kleine, waagrechte Striche, die über Buchstaben stehen können und dann eben stellvertretend für ein unausgeschriebenes Nasal, also M oder N stehen, das dem jeweiligen Buchstaben, über dem sich der Strich befindet, nachfolgt. Und diese Abkürzungen, die wurden dazu benutzt, um Platz zu sparen – Pergament war schließlich teuer – und so liest man dann statt den Artikeln dem oder den dann häufig d, e und kleiner waagrechter Strich über dem e und aus dem Kontext muss man sich dann erschließen, ob der Strich als m oder als n aufzulösen ist, was immer vom Numerus, also Singular oder Plural, und vom Kasus, also dem Fall, in dem der Artikel steht, abhängig ist. Und diese Eigenleistung des Lesers muss normalerweise erbracht werden, dank diesem Normierungsverfahren das von der Hagen zur Anwendung kommen lässt, aber nicht mehr. Das Normierungsverfahren ist also ein, ja ich möchte sagen recht spärliches Verfahren, was heutzutage auch nicht mehr gängig ist, zumindest wenn es um die Edition eines Textes geht, die ja darauf abzielt, den Text zugänglicher zu machen. Also nicht nur besser lesbar zu machen, sondern allgemein dafür zu sorgen, dass man mit dem Text besser arbeiten kann.

Ohne Frage ist trotzdem eine Transkription – also nicht das was von der Hagen macht, sondern eine Transkription ist eine Eins-zu-eins-Abschrift des Textes, die gar nichts auflöst und auch nicht irgendwie eingreift, sondern den Text eben eins zu eins überträgt – trotzdem sehr nützlich oftmals zum Beispiel, um den Text lokal verorten zu können, denn Dialekt wurde ja, weil es noch kein Standarddeutsch und noch keine standardisierte Schriftsprache gab, wurde zum Beispiel Dialekt wörtlich niedergeschrieben und dadurch kann man einen Text räumlich einordnen. Für eine bessere Lesbarkeit bzw. einfachere Zugänglichkeit ist eine Transkription aber nicht zuträglich.

Karl Lachmann hingegen vertritt genau die andere, also ist genau am anderen Ende des Spektrums zu finden. Er vertritt nämlich eine rettende Herangehensweise. Er sieht also eine Handschrift als Teil einer Überlieferungsgruppe, nenn ich’s mal, und er versucht das Original aus der Zeit, also das „wirkliche“ Original, nicht die Handschrift, die er vor sich hat, sondern er versucht irgendwie Rückschlüsse zu ziehen auf ein Original, also eine Urform des Textes sozusagen und diese zu rekonstruieren. Er nennt dies dann den Archetypen. Und um das zu machen, greift er ziemlich stark in Texte ein, also er bessert „Fehler“ aus, also in seinem Sinne sind es „Fehler“ – Heute spricht man nicht mehr von Fehlern, heute spricht man von Varianz – wenn es nämlich in unterschiedlichen Handschriften Abweichungen von der anderen gibt, würde jetzt Karl Lachmann sagen. Also weil wir uns in Überlieferungsgruppen bewegen, sagte ich vorhin, damit meine ich, wir haben zum Beispiel einen Text, beispielsweise den Armen Heinrich von Hartmann von Aue, der in zwei Handschriften überliefert ist, in dem Fall (also eigentlich drei, aber zwei Handschriften sind Abschriften voneinander, nämlich BA und BB, aber es gibt dann noch Handschrift A) und wir schauen dann, oder Lachmann würde dann in die Handschriften gucken, und wenn es Abweichungen voneinander gibt, dann würde eben ggf. sagen, „Oh, das ist ein Fehler, das müssen wir ausbessern.“ Heutzutage würde man diese Varianzen eher stehen lassen und sie dann in einem textkritischen Apparat aufführen. Also textkritischer Apparat heißt, dass unter dem Text, also unter dem Haupttext, in quasi Fußnoten, noch in Anmerkungen stehen „Wie lautet denn dieser Textteil in einer anderen Handschrift?“ damit man eben möglichst breites Spektrum an Varianzen zugänglich macht. 

Karl Lachmann lässt außerdem ein sog. Normalisierungsverfahren zu Anwendung kommen. Wir erinnern uns nochmal: bei Friedrich Heinrich von der Hagen sprach ich von einem Normierungsverfahren. Dort werden ja nur Eingriffe vorgenommen, die den Sinn nicht verändern. Also zum Beispiel das ausgleichen der Laute u und v, die häufig jeweils füreinander benutzt werden: also u kann mal ein v sein und v kann mal ein u sein. Oder eben das Auflösen von Nasalstrichen, was ich vorhin bereits erklärt habe.

Bei der Normalisierung jetzt, die Karl Lachmann anwendet, wird nur im Gegensatz dazu versucht, ein Standardmittelhochdeutsch herzustellen, was ist dann nicht nur leichter macht, den Text zu lesen, sondern auch ihn zu verstehen. Gegeben natürlich man kann Mittelhochdeutsch. Wie muss man sich eine Normalisierung also vorstellen? Es werden zum Beispiel Dehnungszeichen über Vokalen eingefügt, wenn ein Vokal lang gesprochen wird, damit man leichter sehen kann, um welches Wort es sich handelt und wie man es übersetzen muss, indem man irgendwelche Lautwandelgesetze zum Beispiel anwendet. Wenngleich der Text dadurch natürlich auch leichter zu lesen wird, weil man sich nicht mehr auf die Metrik so konzentrieren muss, um zu sehen, muss ich den Buchstaben jetzt lang oder kurz aussprechen. Hier jetzt genau ins Detail zu gehen, also was Lautwandelgesetze sind und so weiter wird jetzt zur weitführen, wichtig ist nur zu wissen, dass solche Dächlein, also Zirkumflexe, die man manchmal in Editionen mittelalterlicher Texte sieht, dass die meistens in den Handschriften nicht standen. Es gibt auch Beispiele aus Handschriften, in denen Zirkumflexe stehen, aber da kann man auf keinen Fall von Einheitlichkeit oder Regelmäßigkeit sprechen. Und dieses Normalmittelhochdeutsch, also mit den Dehnungszeichen, mit den Zirkumflexen, das heute dann auch in Wörterbüchern steht und nach welchem immer noch normalisiert wird, das beruht auf dem Vorgehen Karl Lachmanns.

Er greift aber auch noch weiter in Text ein und verändert zum Beispiel die Metrik, wenn sie ihm nicht „authentisch“ erscheint, also nicht das, wie er sagt, originale, reine Mittelhochdeutsch widerspiegelt.

Beide Varianten, wie jetzt schon ein bisschen rauszuhören war aus meinen Einschüben, wie man es heute macht, sind jetzt nicht mehr ganz aktuell, nicht mehr brandaktuell, sondern man benutzt heutzutage eher das sogenannte Leithandschriftenprinzip. Dabei schaut man auch, nicht wie Friedrich Heinrich von der Hagen nur auf eine Handschrift, sondern man schaut eher wie Karl Lachmann auf eine ganze Überlieferungsgruppe, aber man versucht nicht mehr irgendwie einen Archetypen, also ein mutmaßliches Original zu rekonstruieren, sondern man sucht sich von dieser Gruppe an Handschriften eine Handschrift aus, die einem am besten geeignet scheint, um sie zu edieren – wo man also am wenigsten eingreifen muss, wo man am wenigsten Textverlust hat, weil irgendwie Blätter fehlen in der Handschrift oder so – und nimmt die dann als Leithandschrift und fügt dann einen textkritischen Apparat bei, wie ich eben schon erwähnt habe, und der steht dann meistens unter dem Text, muss aber nicht unbedingt sein, er steht kann auch hinten drin stehen im Buch dann, ist aber nicht so vorteilhaft, weil dann muss man immer nachschlagen, wenn man irgendwie die Varianzen sich angucken will, muss man immer hin und her blättern, das irgendwie nicht so gut, aber wie dem auch sei: auf jeden Fall steht er halt irgendwo drin und man kann dann dadurch Zugriff erlangen auf verschiedene Handschriften und verschiedene Überlieferungsträger, obgleich man eben trotzdem einen Leittext hat, an dem man dann arbeiten kann. Natürlich ob liegt es trotzdem der Editorin/dem Editor festzulegen, welchen Text man denn als Leithandschrift benutzen möchte, was auch ziemlich subjektiv ist, wie auch dieses Ausbessern von Karl Lachmann. Aber es ist eben so, dass man beim Edieren eine große Verantwortung hat, nicht nur dem Text gegenüber, sondern auch eben den nachfolgenden Rezipienten gegenüber, also denjenigen, die dann diese Edition benutzen wollen, um damit zu arbeiten.

Wie sieht es jetzt aus beim geistlichen Spiel? Beim geistlichen Spiel wäre es gar nicht möglich, ein Original überhaupt zu rekonstruieren, denn das Original des geistlichen Spiels als Gattung des Dramas findet sich, wenn dann überhaupt auf der Bühne. Und ja, da haben wir leider keinen Zugriff mehr drauf, es gibt noch keine Videoaufzeichnungen aus der Zeit, wir haben auch keine Zeitmaschinen – leider möchte man sagen – um uns das vielleicht mal anzugucken, es wäre also gar nicht möglich, so ein Original zu rekonstruieren und das macht es aber auch schwierig den Text an sich zu edieren, weil man ja immer irgendwie im Hinterkopf haben muss, dass das nicht die eigentliche Form ist, wie dieser Text unter Umständen rezipiert wurde. Es gibt natürlich auch Leseversionen der geistlichen Spiele, aber oft ist es ebenso, dass der Text nicht die eigentliche Rezeptionsform war, wie der Text aufgenommen wurde, sondern man muss immer im Hinterkopf behalten, dass da ja ein Publikum war, Schauspieler waren, Regieanweisungen usw., also man muss es alles mit einbeziehen, wenn man so einen Text ediert.

Dann muss man sich auch überlegen „Was ist überhaupt ein geistliches Spiel?“: Es gibt eben auch Dialogerzählungen, wie man sie vielleicht zum Beispiel von Platon kennt, mit seinen Sokrates-Erzählungen, und diese sind oft sehr schwierig zu unterscheiden von geistlichen Spielen. So wurde zum Beispiel 1982 ein Katharinenspiel und ein Aristotelesspiel veröffentlicht, also die wurden beide veröffentlicht, die aber gar keine Spiele sind, wie sich dann später zeigte, sondern Dialogerzählungen, allerdings wurde wegen der Veröffentlichung dann ein fehlerhafter Eintrag im Verfasserlexikon, also in der damaligen Auflage des Verfasserlexikons dazu angefertigt, was man dann nachher noch ausbessern musste.

Was auch besonders ist bei den geistlichen Spielen ist, dass es sich meistens eben nicht um Überlieferungsgruppen handelt, also diese textkritische Arbeit, die Karl Lachmann macht, also Texte miteinander vergleichen und dann vielleicht Fehler ausstreichen oder eben auch Varianten zu berücksichtigen, die wir heutzutage auch berücksichtigen, das spielt meistens nicht so eine große Rolle. Es gibt aber natürlich unter den Texten miteinander eine gewisse Verwandtschaft, also unter den Weihnachtsspielen zum Beispiel, den Osterspielen usw., worauf man dann zurückgreifen kann, wenn ein Textteil fehlt oder so, kann man auf verwandte Texte eben zurückgreifen.

Was auch eine Besonderheit ist bei den geistlichen Spielen, was man berücksichtigen muss, wenn man die edieren möchte, ist, dass verschiedene Handschriftentypen zusammenspielen. Also es gibt eben schon solche vollständigen Aufzeichnungen von geistlichen Spielen, die zum Lesen oder einfach nur zum Archivieren gedacht waren und die dann oft mit Bildern versehen sind und auch oft in Sammelhandschriften stehen. Es gibt aber auch Volltexte von Spielen gibt es natürlich auch, also wo das ganze Spiel drinsteht, alle Rollentexte, aber die eben nicht zum Lesen gedacht sind, sondern trotzdem zum Spielen. Aber auch das muss nicht unbedingt sein: Es gibt natürlich auch einzelne Rollen, die überliefert sein können. Es gibt Regieexemplare, also wo der Text verkürzt ist und die meistens so schmales Format haben, also ein handliches Format damit man, ja, mit denen wurde halt gearbeitet, damit man eben mit denen schnell arbeiten kann. Und dann gibt es auch andere Dokumente wie zum Beispiel Requisitenverzeichnisse, Rechnungen, was weiß ich, also alles, was man sich so vorstellen kann, was eben wichtig ist, wenn man ein Theaterstück plant und aufführen will. Und oft ist es auch so, dass irgendwelche Blätter in irgendwelche Handschriften reingeklebt wurden, nachträglich bzw. reingelegt wurden. Und es ist dann auch die Aufgabe der Editorin/des Editors, diese Blätter überhaupt zuzuordnen. Also handelt sich zum Beispiel um irgendwelche Regieanweisungen, die darauf stehen, handelt sich es um, vielleicht irgendwelche Rechnungen, sind es vielleicht Anmerkungen, irgendwelche Randbemerkungen oder sogar eingelegte Lagen, also eingelegte Blätter, die, wenn man so will, nachträglich zwischengeschoben wurden.

Das alles gilt also zu bedenken, wenn man so einen Text ediert. Es ist dann aber auch eben deswegen wichtig zu bedenken, dass es sich nicht unbedingt um eine Textschichtung handeln muss, sondern es kann auch zum Beispiel alternative Enden geben. So hat zum Beispiel das schwäbische Weihnachtsspiel, zwei verschiedene Aufführungsmöglichkeiten, die es anbietet und in den Regieanweisungen offenbart. Einmal ist es als Stubenspiel angelegt, also ein kleiner angelegtes Spiel und einmal ein doch etwas größer angelegtes Spiel in der Kirche. Es gibt auch die Möglichkeit, dass es unterschiedliche Enden gibt, die in einer Handschrift zu finden sind und je nach Situation kann dann der Regisseur entscheiden, welches Ende man benutzen soll.

Es zeigt sich also, dass das geistliche Spiel als Gattung eine große Besonderheit aufweist, wenn es um das Edieren geht und auch eigene Problemstellungen mit sich bringt. Und ich hoffe, dass ich die sehr wichtige Unterdisziplin der Editionsphilologie in diesen wenigen Minuten näherbringen konnte. 

Bühne aufs Ohr. Eine Reise durch die geistlichen Spiele des Mittelalters

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Language

German

Organisational Unit

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Producer

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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2023-10-16
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